Matrix Resurrections
„Zurück zum Ursprung"
Handlung
Thomas Anderson lebt ein normales Leben, arbeitet für eine große Firma und geht regelmäßig zur Therapie, wo sein Therapeut versucht, ihm seine Traumata auszutreiben. Denn Thomas hat Probleme damit, Realität und Fiktion auseinanderzuhalten. Er kann doch nicht wirklich einst als Auserwählter Neo in den Krieg gegen die Maschinen gezogen sein, oder?
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- Originaltitel
- The Matrix Resurrections
- Produktionsländer
- United States of America
- Studios
- Warner Bros. Pictures, Village Roadshow Pictures, Venus Castina Productions
- Freigabe
- 16
- Budget
- $190,000,000.00
- Einspielergebnis
- $156,497,322.00
Gefangen in der eigenen Legende
Es gibt Filme, die an ihrer Geschichte scheitern. Und es gibt Filme, die an ihrem eigenen Mythos zerbrechen. Matrix Resurrections gehört zur zweiten Kategorie.
Die vierte Rückkehr in die Matrix will vieles gleichzeitig sein: Fortsetzung, Liebesgeschichte, Kommentar auf Hollywood, Abrechnung mit Franchise-Nostalgie und persönliche Wiederaneignung eines popkulturellen Monuments. Auf dem Papier ist das spannender als die meisten verspäteten Legacy-Sequels. In der Umsetzung bleibt aber ein Film zurück, der mehr über Matrix spricht, als wieder Matrix zu sein.
Genau das spiegelt sich auch in vielen Zuschauerreaktionen wider. Der häufigste Vorwurf lautet nicht einfach, der Film sei schlecht, sondern: Er fühlt sich nicht mehr wie Matrix an. Viele vermissen den kühlen grünen Look, die präzise Kampfchoreografie, die ikonische Zeitlupen-Ästhetik, die Lederjacken, Sonnenbrillen und diese Mischung aus Philosophie, Bedrohung und Stil, die den ersten Film zum Ereignis machte. Resurrections ruft diese Elemente zwar ständig in Erinnerung, ersetzt sie aber selten durch etwas ähnlich Starkes.
Dabei beginnt der Film mit einer durchaus interessanten Idee. Neo lebt wieder in einer künstlichen Realität, diesmal nicht als ahnungsloser Hacker, sondern als erschöpfter Schöpfer seiner eigenen Legende. Die Meta-Ebene über Spiele, Fortsetzungen, Studios und die Ausschlachtung von Marken hat Biss. Man spürt, dass Lana Wachowski keinen einfachen Nostalgie-Automaten bauen wollte. Der Film wehrt sich gegen seine eigene Existenz und macht diese Abwehr zum Thema.
Doch genau darin liegt auch sein Problem. Die Selbstreflexion ist klüger als die eigentliche Handlung. Figuren erklären zu oft, was der Film sagen will. Dialoge wirken nicht selten wie Randnotizen aus einem Essay. Was als ironischer Kommentar auf Fanservice beginnt, kippt für viele Zuschauer in etwas, das selbst wie schwacher Fanservice aussieht. Alte Bilder werden zitiert, aber die neue Energie fehlt.
Besonders hart trifft das die Action. Matrix war nie nur wegen seiner Ideen groß. Der erste Film hat Körper, Kamera und digitale Effekte zu einer neuen Filmsprache verbunden. Resurrections dagegen wirkt in vielen Kampfszenen erstaunlich gewöhnlich. Die Choreografien haben weniger Klarheit, der Schnitt weniger Rhythmus, die Bilder weniger Gewicht. Wo früher jeder Move ein Statement war, sieht man hier oft nur Bewegung.
Auch die neuen Versionen vertrauter Figuren spalten stark. Der neue Morpheus, der neue Smith und der Analyst bringen eigene Ansätze mit, erreichen aber für viele nicht die Präsenz ihrer Vorgänger. Gerade weil der Film ständig an das Original erinnert, fallen diese Unterschiede stärker auf. Der Vergleich ist brutal, und Resurrections lädt ihn selbst permanent ein.
Am stärksten bleibt der Film, wenn er sich auf Neo und Trinity konzentriert. Keanu Reeves und Carrie-Anne Moss geben der Rückkehr eine echte Melancholie. Ihre Verbindung ist nicht bloß nostalgischer Schmuck, sondern der emotionale Kern des Films. In diesen Momenten erkennt man, was Resurrections hätte sein können: eine leise, reife, seltsame Liebesgeschichte über zwei Menschen, die selbst in einer neu programmierten Welt zueinanderfinden.
Aber der Film vertraut diesem Kern nicht genug. Er baut zu viel Meta-Kommentar darum herum, zu viele Rückgriffe, zu viele Erklärungen, zu viele halb ausformulierte neue Ideen. Das Ergebnis ist ein Werk, das mutiger ist als viele Franchise-Fortsetzungen, aber nicht zwingend besser.
Die positiven Stimmen haben deshalb nicht völlig unrecht: Matrix Resurrections ist persönlicher, eigenwilliger und interessanter, als sein Ruf vermuten lässt. Man kann den Film als bewusste Verweigerung lesen, als Anti-Blockbuster, als Kommentar auf Fans, Studios und den Wunsch, Vergangenes einfach noch einmal zu erleben.
Aber die negativen Stimmen treffen ebenfalls einen wunden Punkt: Wenn ein Matrix-Film weder visuell noch actiontechnisch noch philosophisch die alte Wucht erreicht, bleibt von der Wiederauferstehung vor allem der Gedanke daran. Und ein Gedanke allein reicht nicht für ein großes Kinoerlebnis.
Matrix Resurrections ist kein seelenloser Cashgrab, aber auch keine überzeugende Wiedergeburt. Der Film hat Herz, Haltung und eine interessante Meta-Idee, doch er verliert zu oft Stil, Spannung und ikonische Klarheit. Für manche ist das ein mutiger Bruch mit der Nostalgie. Für viele andere ist es genau das Problem: Diese Matrix erkennt man wieder, aber man fühlt sie kaum noch.
— Kinokritiker, 19. Juli 2026